Historie - ein Überblick

Die Vespa verkörpert immer noch die Sehnsucht nach Freiheit, Mobilität, den Drang nach dem Süden und ist in den letzten sieben Jahrzehnten zur Legende geworden.

Nach dem Zusammenbruch 1945 musste sich der Flugzeug- und Triebwerkhersteller Piaggio in Pontedera auf die Herstellung neuer Produkte besinnen. Enrico Piaggio hatte eine Idee, wie er den Drang der Menschen nach mehr Bewegungsfreiheit stillen konnte. Doch der erste Entwurf wurde verworfen, denn der Roller hatte keinen freien Durchstieg. Der vorausschauende Unternehmer dachte damals bereits an die modernen Frauen, die den Roller bequem im Rock benutzen sollten. Erst der Hubschrauberkonstrukteur Corradino d´Ascanio konnte den Vorstellungen von Enrico Piaggio gerecht werden und sein Prototyp fand sein Wohlwollen.

Weil Corradino nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, ging er völlig unvoreingenommen an seine Aufgabe. Antrieb und Kraftübertragung sollten so einfach wie möglich sein und so entschied er sich für den Direktantrieb. Auch sollte die Vespa keine Motorenteile haben, an denen man sich schmutzig machen konnte und so wurde der Motor komplett verdeckt untergebracht. Am 23. April 1946 wurde die Vespa dann zum Patent angemeldet.

In den fünfziger Jahren wurde die Vespa auch nördlich der Alpen bekannt, wo sie viel beachtet, den Siegeszug durch Europa antrat.

In die Schweiz wurden die ersten Vespas bereits 1947 exportiert, nach Deutschland kamen sie drei Jahre später. Jakob Oswald Hoffmann schloss 1949 mit Piaggio einen Lizenzvertrag und begann im März des darauffolgenden Jahres in Lintorf bei Düsseldorf mit der Produktion. Bereits1954 kam wegen Lizenzverstoßes das Aus für Hoffmann. 1954 bis 1957 baute Messerschmitt in Augsburg die Vespa weiter, bevor Piaggio eine deutsche Tochter, die Vespa GmbH Augsburg in Haunstetten gründete.

Außer in Italien und Deutschland wurden die verschiedensten Vespamodelle in allen Teilen der Welt in Lizenz gebaut, z. B. in Frankreich von ACMA, in England von Douglas, in Amerika von Allstate, in Indien von Bajaj und LML und sogar in Pakistan, im Iran und in Malaysia.

Für ältere Modelle aus der Anfangszeit der Produktion sowie seltene und in geringer Stückzahl gebaute Modelle, wie beispielsweise die Vespa U, Hoffmann Königin, Vespa SS50 und SS90 oder die französische Militärvespa TAP 56 werden Liebhaberpreise im fünfstelligen Eurobetrag bezahlt.

Blütezeit der Vespaclubs waren mit den etwa 250 Zusammenschlüssen und ca. 14.000 Mitgliedern die frühen 60er Jahre. Präsident war damals der Grand-Prix-Rennfahrer Hans Stuck, der 1958 dieses Amt von seiner Durchlaucht Prinz von Lippe übernommen hatte. Die Vespafahrer waren somit die Ersten, die gegen alle damaligen Vorurteile den völkerverbindenden Gedanken vom vereinten Europa praktizierten. Sie hatten sogar eine eigene Sprache, das Vesparato. Man rollerte nicht, sondern man VeSPAZIERTE, ein Paar war ein VesPAAR, ein VesPÄRCHEN. Man feierte VesPARTIES, trank VesPRESSO und hatte VeSPASS. 1965 waren weltweit bereits über drei Millionen Vespas verkauft, danach verebbte ihr Siegeszug, weil inzwischen für die breiten Massen auch das Automobil erschwinglich wurde.

Auch heute gibt es noch viele Ortsclubs, die den Zusammenhalt aller Blech- und Schaltroller der Marke Vespa fördern und mit Unterstützung seiner Mitglieder auf technischen, sportlichen und gesellschaftlichen Gebieten, sowie sportliche und gesellschaftliche Vespaveranstaltungen ausrichten. Für den Vespa-Enthusiasten steht fest, daß der Roller niemals out war oder sein wird. Und wer bisher der Faszination Vespa noch nicht erlegen ist, könnte auf den folgenden Seiten allerdings Gefahr laufen, den Virus einzufangen.